Flirten wie die Worldchampions

Endlich Rosenmontag! Das hört man in Hamburg nicht so oft. Während in anderen Teilen des Landes jetzt beschwipste Menschen tagelang wie selbstverständlich in grauenhaften Polyesterverkleidungen durch die Straßen torkeln, kennt man das hier eigentlich nur von JunggesellInnen auf dem Kiez. Aber ob Kölner Karneval oder Kieztour, bei beiden Happenings trifft man leicht auf internationale Touristen. Wenn Sie sich denen jetzt feuchtfröhlich annähern wollen, denken Sie bitte beim Flirten daran: nicht nur Sie haben sich verkleidet, auch manche unserer Wörter tragen ein englisches Narrenkostüm.

Handy

Es sieht englisch aus. Es hat ein Y am Ende. Ja, tatsächlich ist es ein englisches Wort. Nur, dass es nicht das englische Wort für Mobiltelefon ist.
Fragen Sie also den süßen Australier lieber nicht nach seiner „Handynumber“. Sie werden nur ein Fragezeichen in seinem Gesicht sehen. Und während Sie noch denken, Sie müssten es nur oft und laut genug wiederholen, um die Schlagermusik zu übertönen, wird er Sie für noch betrunkener halten als Sie eh schon sind.

Smoking

So, Sie haben sich als Charly Chaplin verkleidet? Was läge da näher als eine gehörige Portion Humor für die Kontaktaufnahme mit der netten Engländerin einzusetzen?
Wenn Sie vor einer Kneipe mit Nichtraucherschild stehen, versuchen Sie sich lieber nicht an Wortspielen mit „No smoking“.
Während Sie engagiert versuchen, pantomimisch zu erklären, dass Sie aufgrund Ihrer Bekleidung dort nicht rein dürfen (zwinker, zwinker), wird sie Sie wohl nur für einen passionierten Kettenraucher halten. Mit nervösem Augentick.

Scheinanglizismus

„Let me show you my slip“ – oh, jetzt wird’s haarig (no pun intended). Wenn Sie das als Mann in einem – sagen wir mal Clownskostüm – Ihrem Gegenüber vorschlagen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn darauf mit Belustigung reagiert wird. Nein, das liegt nicht an Ihrem lustigen Clownskostüm. Vermutlich kam Ihre Vorliebe für Damenunterwäsche etwas unverhofft.

Aber mal im Ernst: Wenn Sie schon auf dem Level sind, gehen Sie lieber direkt alleine nach Hause 😉

 

Spaßverderber Scheinanglizismus

Solch vermeintlich englische Wörter, die sich zur internationalen Kommunikation nicht eignen, nennt man Scheinanglizismus. Diese haben im englischen Sprachraum entweder eine andere Bedeutung oder sind schlicht nicht existent. Die oberen drei Beispiele gehören zum ersten Fall. Handy existiert als Adjektiv für handlich/praktisch. Die richtige englische Benennung für den Begriff des Mobiltelefons ist je nach Sprachraum mobile phone oder cell phone. Smoking gibt es natürlich als Rauchen, für das Kleidungsstück wären jedoch dinner jacket oder tuxedo zu verwenden. Bei slip handelt es sich zwar auch um Unterbekleidung, aber nicht um die Unterhose (briefs, panties), sondern um ein Unterkleid für Frauen.

 

 [von Sandra Bulla]