Terminologie, aber wie?

Teil 1: Arten der Terminologiebildung

Nicht jedes Unternehmen ist so gut aufgestellt und verfügt über einen hauseigenen Terminologen. (Lesen Sie hierzu auch über Bonny & die Toasterfabrik.)
Meist müssen Technische Redakteure sich mit den deutschen Fachtermini beschäftigen.

Unsere Toaster-Serie zeigte Ihnen bereits, was Sie bei der Erstellung von Terminologielisten berücksichtigen sollten, was wichtig für Translation-Memory-Systeme ist und dass es einen Verantwortlichen geben sollte.

Aber wie kann eine neue Benennung für ein neues Produkt entstehen? Und was zeichnet eine gute Benennung aus? Der ersten Frage möchten wir heute einmal nachgehen.

Wenn neue Produkte entwickelt oder neue Geräte erfunden werden, müssen diese mit einer Benennung versehen werden. Die Sprachwissenschaft hält verschiedene Methoden der Benennungsbildung bereit. Wir geben ein paar (teils vereinfachte) Beispiele. Und um etwas Sonne in die Vorweihnachtszeit zu bringen, sind hauptsächlich Beispiele aus dem Bereich der Solarenergie dabei 🙂

Bei der Komposition entsteht eine neue Benennung durch Aneinanderreihung von zwei oder mehr Morphemen*: Solar|anlage.

Die Derivation verbindet ein Morphem mit unselbständigen Wortbestandteilen, die z. B. voran- (Präfix) oder nachgestellt (Suffix) sein können: Ver|schatt|ung

Bei der Konversion wird ein Wortstamm oder ein flektiertes (gebeugtes) Wort ohne Veränderung seiner Form in eine andere Wortart überführt:
schweißen (Verb) -> Schweißen (Substantiv)

Als Terminologisierung bzw. Umterminologisierung werden die Fälle bezeichnet, in denen sich die Fachsprache einer Benennung bedient, die in der Gemeinsprache bereits existiert. Die Benennung wird dabei mit einer spezifischen Bedeutung versehen:
Modul, Zelle
Anmerkung: Häufiges Problem hierbei sind auftretende Mehrdeutigkeiten. Bei unseren beiden Beispielen kommt es im Bereich der Solarenergie nicht zu Mehrdeutigkeiten, da die beiden Wörter sehr häufig als Komposition mit „Solar“ verwendet werden (Solarmodul, Solarzelle).

Die Entlehnung findet sprachübergreifend statt. Dabei wird Sprachmaterial aus einer Herkunfts- in die Zielsprache übernommen. Es entstehen Lehnwörter:
Due Diligence, Peakleistung

Bei der Kürzung werden Teile eines bestehenden, meist komplexen Wortes weggelassen. Bei einer Form der Kürzung, der Abkürzung, werden die Anfangsbuchstaben der einzelnen Morpheme, aus denen sich die Benennung zusammensetzt, einzeln geschrieben und ausgesprochen: PV-Anlage

Als Urschöpfung bezeichnet man Benennungen, die nicht aus bereits bestehenden Morphemen hergeleitet sind, sondern lautlich neu gebildet werden. Bekannte allgemeinsprachliche Beispiele sind: simsen, sitt

Dieser sprachwissenschaftlichen Hintergründe ist man sich bei der Terminiologiefindung zwar nicht immer bewusst, sie können – aktiv in den Prozess der Terminologiebildung mit einbezogen – aber dennoch einen Anstoß zu möglichen neuen Benennungen liefern.

Im nächsten Teil dieser Serie zur Terminologiebildung erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl einer guten Benennung für ein neues Produkt ankommt. Nicht verpassen!

* Morphem = kleinste bedeutungstragende Spracheinheit

Vom Translation Team

Lange Nacht des Wissens 2015

HH TranslationAm 7. November ist die „Lange Nacht des Wissens“ in Hamburg. In dieser Nacht können viele Vorträge gehört und Aktionen bestaunt werden.
Die Themen Medizintechnik, Fahrzeugtechnik, Meerestechnik und viele mehr sind vertreten – für Fachübersetzer und Technische Redakteure eine gute Möglichkeit zur Weiterbildung! Wir haben eine kleine Auswahl aus den Bereichen Technik und Sprache für Sie herausgesucht. Der Eintritt ist frei. Das komplette Programm finden Sie unter www.nachtdeswissens.de.

Technik:

  • „Ein Antrieb mit Zukunft: Der Verbrennungsmotor. Mit bewährter Technik in die Zukunft?“ (Prof. Dr.-Ing. W. Thiemann et al., Helmut-Schmidt-Universität)
  • „Automobilentwicklung, die begeistert. Neue Design- und Techniktrends im Fahrzeugbau“ (Prof. Dr.-Ing. D. Adamski et al., Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
  • „Lärm im Flugzeug? Wie macht man eine Flugzeugkabine leise?“
    (Prof. Dr.-Ing. W. Gleine, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
  • „Wohin guckst Du? Blickbewegungsmessung für Websites“
    (F. Kerkmann, HAW Hamburg | Kunst- und Mediencampus)
  • „Informations- und Kommunikationstechnik der Zukunft: immer kleiner, schneller und energieeffizienter“ (Prof. Dr. R. Wiesendanger, Universität Hamburg – Fachbereich Physik)
  • „Mikroelektronik und Mikrosysteme für die Technik der Zukunft“
    (Prof. H. Kapels et al., Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie – Itzehoe)

Skurrile Highlights:

  • „Bobbycar-Parcours mit höchster Präzision“ (Vermessungsabteilung, DESY)
  • „Geschüttelt, nicht gerührt: James Bond und die Werkstofftechnik“
    (Prof. Dr.-Ing. T. Klassen, Helmut-Schmidt-Universität)
  • „Flugzeug- und Schiffbau-Origami“ (Technische Universität Hamburg-Harburg)

Sprache:

  • „Happy Mist: Stolpersteine der interkulturellen Kommunikation“
    (Prof. Dr. F. Peters, EBC Hochschule)
  • „Falsche Freunde – falsos Amigos“ (J. Sacasa, EBC Hochschule)
  • „Don’t you speak English? Die globale Sprach-Supermacht“
    (S. Horn, FOM Hochschule für Oekonomie Management/Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie VWA)
  • „Computer hören und sprechen – aber verstehen sie auch?“
    (Dr. T. Baumann, Universität Hamburg)
  • „Hamburg Babylon? Forschung über Sprachenvielfalt in der Stadt“ (Universität Hamburg)
  • „Niederdeutsch: zwischen internationaler Geschäftssprache und erinnertem Dialekt“ (Prof. Dr. I. Schröder, Universität Hamburg)

Wir wünschen viel Spaß!