Besser Korrektur lesen

Ist die Technische Dokumentation oder Übersetzung erst einmal erstellt, geht’s vor der Freigabe noch einmal um den Feinschliff: Das Korrekturlesen beginnt. Hier ein paar Tipps, um möglichst viele Fehler zu finden.

Zeit. Auszeit. Mahlzeit.

Do          🙂

  • Planen Sie einen ausreichenden Zeitraum für das Korrekturlesen ein. Die notwendige Dauer wird oft unterschätzt.

Don’t      🙁

  • Sagen Sie zu niemandem, er möchte „schnell mal drüberlesen“. Damit schrauben Sie ja praktisch gleich den Qualitätsanspruch in den Keller herunter. Es impliziert, dass a) diese Tätigkeit eigentlich eher überflüssig ist und b) enormer Zeitdruck besteht.
    Wenn Sie nicht genug Zeit haben, schränken Sie entweder die Prüfmerkmale ein oder leben Sie damit, dass eben nur die wirklich offensichtlichen Fehler gefunden werden.

Do          🙂

  • Wenn Sie Ihren eigenen Text Korrektur lesen, fangen Sie erst einen Tag nach der Fertigstellung des Textes an. Sie haben sonst nicht den nötigen Abstand zum Textinhalt.
  • Wenn Sie mehrere Texte oder einen sehr langen Text prüfen, machen Sie Pausen. Gutes Korrekturlesen erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Einmal vom Tisch aufstehen, sich bewegen und dann bewusst dem nächsten Text oder Kapitel widmen, hilft da schon.

Don’t      🙁

  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, die Zeit für das Korrekturlesen vorher fest zu planen, dann legen Sie sie nicht auf konzentrationsarme Tageszeiten wie nach dem Mittagessen.

Automatisch ist nicht automatisch gut. Aber auch nicht schlecht.

Do          🙂

  • Nutzen Sie Ihre automatischen Hilfsmittel. Dazu gehören: Rechtschreibprüfungen und Programme für regelbasiertes Schreiben. Probieren Sie einmal, ob einem Vorleseautomaten lauschen etwas für Sie ist (Text-to-Speech).

Don’t      🙁

  • Verlassen Sie sich niemals nur auf automatische Prüfwerkzeuge.

Ausdrücklich am Ausdruck prüfen

Do          🙂

  • Drucken Sie den Text immer aus. Eine Prüfung am Monitor ist nicht ausreichend. Der Ausdruck sollte genügend Platz für Anmerkungen bieten.

Don’t      🙁

  • Drucken Sie Texte nicht mit ungünstiger Formatierung aus. Im Original mag der Text aus gelber Schrift auf blauem Hintergrund bestehen. Das ist für das Korrekturlesen eher ungünstig. Wenn die Schriftgröße 7 ist, ist das noch ungünstiger.

Auf den Punkt

Do          🙂

  • Knnen Sie ds nch lsn? Natürlich können Sie. Denn unser Gehirn nutzt beim Lesen auch die Erfahrungswerte und den Kontext, um Wörter zu interpretieren. Daher muss man sich beim Korrekturlesen dazu zwingen, jedes Wort einzeln genau zu lesen.
    Zur bewussten Wahrnehmung hilft zum Beispiel lautes Lesen oder rückwärts lesen (natürlich nur wortweise).

Don’t      🙁

  • Zu viele Ablenkungsfaktoren sind Konzentrationskiller: laute Umgebung, klingelnde Telefone, Hunger, Zeitdruck usw.

Rotstift ansetzen

Do          🙂

  • Verwenden Sie entweder die offiziellen Korrekturzeichen oder erstellen Sie eigene und verwenden Sie diese dann einheitlich. Korrigierte Zeichensetzung ist zum Beispiel leicht zu übersehen. Man sollte daher stets am Rand die Fehler pro Zeile zusätzlich anzeigen.

Don’t      🙁

  • Verwenden Sie keinen Bleistift und keine Farbe, die sich nicht stark genug vom Text abhebt.

Immer der Reihe nach

Do          🙂

  • Es gibt viele Prüfkriterien, die man beim Korrekturlesen anwenden kann. Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Ausdruck, Terminologie, einheitliche Strukturen etc. Legen Sie daher Ihre Prüfkriterien (zum Beispiel in einem Wiki) fest. Dort können Sie auch häufige Fehler dokumentieren. Prüfen Sie dann nacheinander zusammengehörige Prüfkriterien.

Don’t      🙁

  • Tappen Sie nicht in die Multitasking-Falle. Alle Kriterien gleichzeitig prüfen zu wollen, wird nicht funktionieren. Prüfen Sie zum Beispiel zuletzt, ob Ihre Überschriften korrekt und nach einem einheitlichen Muster formuliert sind. Dafür eignet sich das (aktualisierte) automatische Inhaltsverzeichnis sehr gut.

Das Prüfen von Technischer Dokumentation und Übersetzungen ist  ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit – hier sind unsere persönlichen Translation-Team-Tipps:

  • Ramona schwört auf die Verwendung eines (undurchsichtigen) Lineals, um besser satzweise prüfen zu können.
  • Susen eliminiert zunächst alle Layoutfehler in ihrem Sichtfeld, um sich dann voll auf den Text konzentrieren zu können.
  • Sandra unterkringelt beim ersten Durchgang erst einmal Stellen, die eine Recherche erfordern, um dadurch nicht ständig unterbrochen zu werden und den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen.
[von Sandra Bulla]