Translation Memorys: wo Fachwörter Verstecken spielen

Terminologie_TurmDirk Doku ist Technischer Redakteur. Er wundert sich manchmal über die Übersetzungen, die er bekommt, weil nicht immer alle Fachtermini konsistent übersetzt wurden. Er hört dann vom Übersetzungsdienstleister oft, dass das Anlegen und Pflegen einer Terminologiedatenbank nötig wäre, um höhere Konsistenz zu erreichen. „Sie arbeiten doch mit Translation Memorys, dafür werden die doch eingesetzt.“, ist seine Vorstellung.
Dirk Doku hat Recht, diese Übersetzungsdatenbanken sind auch sehr wichtig für die Textkonsistenz in Technischer Dokumentation, allerdings können diese in Sachen Terminologiekonsistenz nicht alles leisten. Wieso das so ist, wollen wir für Dirk und alle anderen Wissensdurstigen heute veranschaulichen.

Von Sätzen und Prozenten

In einem Translation Memory (TM) werden hauptsächlich längere Einheiten (in der Regel Sätze) zweisprachig gespeichert. Die Treffer, die dem Übersetzer während der neuen Übersetzung angezeigt werden, basieren auf einem statistischen Abgleich mit den gespeicherten Einheiten (Übereinstimmung in %). Allerdings ist ein Fachterminus in einem ganzen Satz nur ein geringer Prozentanteil des ganzen Satzes. Das bedeutet, auch wenn dieser Fachterminus in anderen Sätzen vorkommt, gibt es nur eine sehr geringe Übereinstimmung (Match), sofern nicht auch andere Wörter/Satzteile eine Übereinstimmung zum neuen Satz aufweisen. Ab wieviel Prozent Übereinstimmung die Vorschläge angezeigt werden, kann der Übersetzer selbst einstellen – der niedrigste einstellbare Wert liegt hier in der Regel bei 30%.
Nun muss man aber wissen, dass so eine Einstellung nicht unbedingt hilfreich ist, da man dann generell zu viele Vorschläge bekommt, mit denen man gar nichts anfangen kann. Es wird unübersichtlich und ist frustrierend, wenn man sich durch eine lange Liste scrollen muss und es keine wirklich zutreffenden Vorschläge gibt. Der oft empfohlene Matchwert und die Standardeinstellung liegen bei 70%. Der Hauptzweck eines TM ist, dass ein bereits übersetzter Satz nicht neu übersetzt wird und dass ähnliche Sätze angezeigt werden.

Eine Terminologiedatenbank (TDB) konzentriert sich, wie der Name schon sagt, auf die Fachtermini. Diese Liste von Einzeltermini kann sehr viel besser gegen die einzelnen Wörter in einem Satz abgeglichen werden.

Übersetzung nur mit TM

Übersetzen mit TM

Screenshot @SDL Trados Studio 2011; Zum Vergrößern anklicken

Sie sehen in dieser Abbildung den Übersetzungsbereich (3) mit dem blau markierten, aktuell zu übersetzenden Satz, den TM-Bereich (1) und den Terminologiebereich (2). In diesem Fall ist keine TDB eingebunden. Sie können sehen, dass bereits im vorangegangenen Satz das Wort „Tinti“ übersetzt wurde, jedoch kein Treffer im TM-Bereich angezeigt wird. Die Übereinstimmung liegt in diesem Fall sogar noch unter 30%, es kann keine Trefferanzeige erfolgen. Wäre dies hier also ein ganz neuer Text und dem Übersetzer wäre das Wort „Tinti“ noch gar nicht begegnet, wüsste er nicht, wie es übersetzt werden müsste, obwohl es schon durch frühere Übersetzung im TM vorhanden ist. Hier gäbe es nur noch als Alternative eine Konkordanzsuche, wobei diese manuell ausgeführt werden muss: Wort markieren und Rechtsklick. Bei längeren Texten mit vielen Fachtermini nicht sehr praktikabel.

Fuzzy Match

Screenshot @SDL Trados Studio 2011; Zum Vergrößern anklicken

Im Fall des nächsten Satzes denkt man sofort: Der ähnelt aber nun stark dem zweiten, bereits übersetzten Satz. Wir haben hier jedoch bei 13 Gesamtwörtern des Satzes 7 Wörter, die im Vergleich zum anderen Satz als unterschiedlich bewertet werden (vereinfacht erklärt; die Match-Algorithmen unterscheiden sich zudem je nach System). Es ergibt sich nur eine Übereinstimmung von 47%. Das bedeutet, wären hier die üblichen 60-70% eingestellt, gäbe es hier keinen Vorschlag und somit bestünde auch wieder die Gefahr, dass der Fachterminus „Schreibwerkzeug“ anders als im TM übersetzt werden könnte.

Tags im Fuzzy Match

Screenshot @SDL Trados Studio 2011; Zum Vergrößern anklicken

Mit diesem Beispiel möchten wir Sie bei dieser Gelegenheit noch daran erinnern, dass auch unterschiedliche Formatierungen Einfluss auf den Matchwert haben. Dieser Satz unterscheidet sich von dem im TM nur durch die Fett- und Kursivmarkierungen. Für diese Formatierungstags wird jeweils 1% vom Treffer abgezogen, es sind also nur 98% statt der heiß ersehnten 100%. Dies ist auch gerechtfertigt, da die Tags manuell vom Übersetzer eingefügt werden müssen.

Und jetzt mit Terminologiedatenbank!

Screenshot @SDL Trados Studio 2011; Zum Vergrößern anklicken

Screenshot @SDL Trados Studio 2011; Zum Vergrößern anklicken

Hier sehen Sie nun, wie es aussieht, wenn zusätzlich eine TDB eingebunden ist. Wie schon vorher, gibt es keinen Vorschlag aus dem TM. Im Terminologiebereich jedoch erscheinen sofort alle Termini des Satzes, die sich in der TDB befinden. Durch die Funktion „Autosuggest“ erscheinen diese festgelegten Termini zusätzlich als blaues Vorschlagfeld während der Texteingabe. Die Verwendung der richtigen Fachtermini ist dadurch (aus technologischer Sicht) praktisch doppelt gesichert und keine manuelle Konkordanzsuche ist nötig.

Während sich im TM also ein Fachwort sehr gut verstecken kann, wird es dagegen in der TDB sehr gut gefunden!

Wenn von Seiten eines Übersetzungsdienstleisters also die Wichtigkeit der Terminologiedatenbank für Konsistenz betont wird, ist dies durchaus berechtigt. Dafür gibt es auch noch weitere Gründe, die wir nächstes Mal beleuchten werden.

Wie man Terminologieeinträge TMS-gerecht schreibt, können Sie hier lesen: Schreibweisen für TMS
[von Sandra Bulla]