Professionelle Übersetzungen sind Gold wert

Zum internationalen Übersetzertag am 30. September möchten wir einmal daran erinnern, warum Übersetzungen besonders für Unternehmen wichtig sind: Sie eröffnen größere Märkte für ihre Produkte! Eine mehrsprachige Webseite ermöglicht z. B., dass die Produkte auch in vielen anderen Ländern aufgefunden werden können, denn Kunden suchen in ihrer eigenen Sprache im Internet.

Doch Vorsicht: Eine Übersetzung erzielt nur den gewünschten Effekt, wenn sie auch gut ist. Und gute Übersetzungen bleiben professionellen Übersetzern vorbehalten.

Welchen Toaster würden Sie eher kaufen?

Toaster_translation1

  • Edelstahl-Karosserie-Funktionstasten
  • 2 langer Schlitz: Zwei extra lange Schlitze für alle Arten von Brot passen
  • Kontrolle, wie Sie wollen jede Scheibe mit unabhängigen Kontrollen getan.
  • Anti-Marmelade-Funktion
  • Toast gefrorenes Brot und sanft aufkühlen kalt Toast
  • Krümel-Tray und Schnur Lagerung halten Dinge ordentlich

Toaster_translation2

  • Funktionstasten aus Edelstahl
  • Zwei lange Schlitze, in die alle Brotsorten passen
  • Funktionstasten für individuelle Bräunung des Toastes in jedem Schlitz
  • Funktion gegen Verklemmen von Toast und Brot im Toaster
  • Gefrorenes Brot toasten und kaltes Toast schonend erwärmen
  • Krümelschublade und Kabelfach für Sauberkeit und Ordnung

Die Texte vom orangen Toaster sind maschinelle Übersetzungen von verschiedenen englischen Toaster-Produktbeschreibungen im Internet. Schade eigentlich, wer wünscht sich nicht eine Anti-Marmelade-Funktion, wenn man morgens im Halbschlaf versehentlich das Marmeladenbrot in den Toaster gesteckt hat? Der Toaster würde automatisch die heruntertropfende Marmelade auffangen, nach draußen ableiten und mit einem empörten lauten Piepen das Marmeladenbrot wieder auswerfen, sodass man sofort hellwach ist, weil man erschrocken versucht, das Brot aufzufangen. Wie viele enttäuschte Kunden das Produkt wohl zurückschicken würden?

Aber diese offensichtlich falschen maschinellen Übersetzungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Auch übersetzende Menschen machen viele Fehler, wenn sie keine Profis sind. Manche Fehler springen einem nicht sofort ins Gesicht, aber hinterlassen so ein Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Will man sich wirklich damit zufriedengeben?

Je professioneller die Übersetzungen sind, desto besser wirken die Produkte. Je besser Ihre Anleitungen und deren Übersetzungen sind, desto weniger Fehlbedienung ist möglich und entsprechend sinken die Kosten für Reklamation und technischen Support und das Risiko, dass Kunden enttäuscht sind oder sich schlimmstenfalls verletzen.

Professionelle Übersetzungen sollte man also nicht als teures, notwendiges Übel betrachten – sie machen Gewinne auf ausländischen Märkten erst möglich!

Allen Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrer Arbeit zum internationalen Erfolg vieler Unternehmen beitragen, wünschen wir einen schönen internationalen Übersetzertag! Wir werden wohl mit Marmeladenbrot und „sanft aufgekühltem“ Champagner feiern.

 

[von Sandra Bulla]

Technischer Redakteur & urlaubsreif?

Urlaub Taste

Abb. 1: Urlaubsabflugauslösetaste

Der Sommer und somit die Urlaubszeit ist angebrochen!
Die Hitze bahnt sich ihren Weg in die Büros, man kämpft mit Jalousien und Ventilatoren.
Die Aufmerksamkeitsspanne wird kürzer und die unter Hitzeeinwirkung gebildeten Fachwortkomposita länger.
Aber woran merken Sie als Technischer Redakteur, dass Sie wirklich urlaubsreif sind?

 

Hier ist unsere Top 10 der Anzeichen für Urlaubsreife:

  1. Sie schlagen in der DIN5008 nach, wenn Sie Haftnotizen schreiben
  2. Sie erstellen eine Terminologieliste zum Thema Hitze und Luftfeuchtigkeit
  3. Sie schreiben die Glückwunschkarte für den Chef um, weil die nicht eindeutig genug ist und zu viele nichtssagende Adjektive enthält
  4. Sie strukturieren das Mittagessen neu: vom allgemeinen Brei hin zur Detailerbse
  5. Sie markieren Ihr Essen im Firmenkühlschrank mit <Eigentümer>Mustermann</Eigentümer>
  6. Sie horten leere Sushiboxen, weil die so modular aussehen und bestimmt wiederverwendet werden können
  7. Sie machen sich Sorgen, dass ihr Kommunikationsverhalten beim Mittagessen nicht responsive genug ist
  8. Sie drehen ein Video-Tutorial über das geräuscharme Schließen von Bürotüren und stellen es ins Intranet
  9. Sie nennen Ihre Kollegen in Dita und Cosima um (kann man sich bei der Hitze besser merken)
  10. Sie kategorisieren gedanklich die Gesichtsausdrücke der Kollegen in ACHTUNG, VORSICHT und WARNUNG

Wir wünschen allen Technischen Redakteuren, Kunden, Kollegen & Bloglesern einen schönen Sommerurlaub! 😉

[von Sandra Bulla]

Twitter für Technische Redakteure – #Konferenzen

TwitterTechcommManch Technischer Redakteur fragt sich vermutlich:
Twitter? Wofür brauche ich das?
Wir schlagen Ihnen daher heute ein Anwendungsgebiet vor: Fachkonferenzen!

 

 

 


Verwenden Sie Twitter,

  • um sich über Termine, Programm und kurzfristige Änderungen auf dem Laufenden zu halten
    (–> Folgen Sie den Accounts der Fachkonferenzen)
  • um Tweets zu lesen, die Kollegen auf einer Konferenz versenden
    (–> Verfolgen Sie bestimmte Hashtags)
  • um selbst zu twittern, um andere teilhaben zu lassen
    (–> Versenden Sie Tweets mit bestimmten Hashtags)
  • um neue Kollegen kennenzulernen (netzwerken)
    (–> Folgen Sie Accounts von Kollegen, die Sie über bestimmte Hashtags finden)

Wir haben für Sie Informationen zu 5 Fachkonferenzen (deutsch- und englischsprachig) zusammengestellt:

14.–15. April
tekom-Frühjahrstagung
(Berlin)
Schwerpunktthema: „Die Nutzer mit Intelligenter Information begeistern“
Veranstalter: Gesellschaft für Technische Kommunikation – tekom Deutschland e.V.
Internetseite: http://tagungen.tekom.de/fruehjahrstagung-2016/startseite
Twitter-Account: @tekom
Die tekom verwendet den Hashtag #tekomf16 für die Konferenz.

15.–18. Mai
STC Summit (Anaheim, CA)
Veranstalter: Society for Technical Communication
Internetseite: http://summit.stc.org
Twitter-Account: @stc_org
STC verwendet den Hashtag #stc16 für die Konferenz.

09.–10. Juni
UA Europe – The Conference for Software User Assistance Professionals
(Budapest)
Veranstalter: UA Europe
Internetseite: http://www.uaconference.eu
Twitter-Account: @ua_europe
UA Europe verwendet den Hashtag #uaeurope für die Konferenz.

13.–15. September
TCUK
(Wyboston)
Schwerpunktthema: “From Novice to Expert – Writing Your Career Path as a Technical Communicator”
Veranstalter: ISTC (Institute of Scientific and Technical Communicators)
Internetseite: http://technicalcommunicationuk.com
Twitter-Account: @TCUK_conf  (Konferenz), @ISTC_org (Veranstalter)
ISTC verwendet den Hashtag #tcuk16 für die Konferenz.

08–10. November
tekom-Jahrestagung und tcworld conference
(Stuttgart)
Veranstalter: Gesellschaft für Technische Kommunikation – tekom Deutschland e.V. und tcworld GmbH
Internetseiten: http://tagungen.tekom.de/h16/tekom-jahrestagung-2016/ und http://conferences.tekom.de/tcworld16/tcworld16
Twitter-Accounts: @tekom und @tcworld
tekom und tcworld verwenden die Hashtags #tekom16 und #tcworld16 für die Konferenzen.

Probieren Sie es einfach mal aus, Tweets können Sie auch ohne Account bei Twitter lesen: Geben Sie einen der Hashtags auf www.twitter.com/search ein. Manche Veranstalter zeigen die relevanten Tweets auch auf ihrer Internetseite an.

techcommTwitter_sViel Spaß dabei und wir freuen uns, von vielen neuen twitternden Redakteuren zu lesen 😉 .

[vom Translation Team][Photo by Susen Blaha]

Frohes neues Jahr!

Frohes neues 2016Wir wünschen allen Bloglesern, Mitarbeitern und Kunden ein schönes und erfolgreiches 2016!

 

Wir freuen uns auf

  • die Arbeit mit neuen Teammitgliedern und Kollegen,
  • neue Projekte und neue Fachgebiete,
  • Fachveranstaltungen und Weiterbildung,
  • die Arbeit an neuen Blogartikeln!

 

 

Dienstleister für Projekte im Bereich Übersetzung und Technische Dokumentation gesucht? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf: www.condok-translations.de

 

Übersetzer-ABC

CAT

Warum gibt es eigentlich so viel „CAT Content“ bei Übersetzern? (Auflösung siehe C)

Liebe Blogleser/innen,
wir verabschieden uns von diesem Jahr mit unserem Übersetzer-ABC.

Interessante Blogartikel zu den Themen haben wir am Ende des Artikels verlinkt.

Wir wünschen euch/Ihnen schöne Weihnachten und einen großartigen & heiteren Jahresanfang!

 

 

 

 

  • A wie Ausgangstext (AT). Der Text in einer Ausgangssprache, der in eine Zielsprache übersetzt wird.
  • B wie beglaubigte Übersetzung. Eine beglaubigte Übersetzung wird für den internationalen Rechtsverkehr verwendet (z. B. Urkunden). Sie darf nur von gerichtlich ermächtigten Übersetzern durchgeführt werden und unterliegt besonderen Anforderungen und Vorgaben.
  • C wie Computer-Aided Translation (CAT). Siehe T.
  • D wie Definition. Das A und O guter Terminologiearbeit! Vermeiden sollte man allerdings die Zirkeldefinition (siehe Z).
  • E wie Entlehnung. Eine Form der Benennungsbildung. Bei einer Entlehnung werden Wörter aus einer Sprache in eine andere übernommen.
  • F wie Füllwörter. Wörter wie „einfach“ und „ja“ sind in der Regel unnötig und sollten in Technischer Dokumentation vermieden werden.
  • G wie Gedankenstrich. Darf keinesfalls verwechselt werden mit dem Bindestrich.
  • H wie Hundert-Prozent-Treffer. Zeigt in einem Translation-Memory-System an, dass das Ausgangssegment zuvor schon einmal übersetzt wurde … aber auch Hundert-Prozent-Treffer sind nicht immer 100%ig richtig (Kontext).
  • I wie Inkonsistenz. Inkonsistenzen lassen sich durch gutes Terminologiemanagement minimieren.
  • J wie Jeck. Bei Übersetzungen ist es wichtig, die Sprachvariante der Zielgruppe zu berücksichtigen. Bei Bedienungsanleitungen lautet die Frage oft: „Englisch für die USA oder für Großbritannien?“, „Französisch für Frankreich oder Kanada?“. Bei Werbeslogans kann sogar der Dialekt der jeweiligen Zielgruppe entscheidend sein: „Jede Jeck es anders“, wie der Kölner sagt.
  • K wie Korrekturlesen. Prüfung eines Textes hinsichtlich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik.
  • L wie Lektorat. Umfasst die formale (vgl. K) und inhaltliche Überprüfung eines Textes.
  • M wie Morphem. Die kleinste bedeutungstragende Spracheinheit.
  • N wie Nominalisierungen. Entstehen zum Beispiel, wenn man aus einem Verb ein Substantiv macht. Nominalisierungen gehen besonders häufig mit bedeutungsschwachen Verben einher, daher sollte man sie in Technischer Dokumentation vermeiden (z. B. Einstellung vornehmen vs. einstellen).
  • O wie Originalbetriebsanleitung. Laut Maschinenrichtlinie müssen die Sprachfassungen, für die der Hersteller (oder sein Bevollmächtigter) die Verantwortung übernimmt, als „Originalbetriebsanleitung“ gekennzeichnet werden.
  • P wie Pseudoübersetzung. Verwenden von Platzhalterzeichen als „Übersetzung“. Dies wird vor allem bei Softwarelokalisierung genutzt, um vor der Übersetzung zu prüfen, ob alle Zeichen richtig dargestellt werden können.
  • Q wie Qualitätssicherung. Im Übersetzungsbereich umfasst die Qualitätssicherung u. a. die sorgfältige Auswahl eines qualifizierten Übersetzers und ein Lektorat des Zieltextes durch einen weiteren qualifizierten Übersetzer.
  • R wie Rückübersetzung. Eine Übersetzung eines bereits übersetzten Textes zurück in die Originalsprache. Eine Methode, die fälschlicherweise auch zur Qualitätssicherung eingesetzt wird, aber so einfach funktioniert Sprache in der Regel nicht.
  • S wie Scheinanglizismus. Sieht englisch aus, hört sich englisch an … hat aber im angelsächsischen Sprachraum eine ganz andere oder schlicht gar keine Bedeutung.
  • T wie Translation Memory. Siehe C.
  • Ue wie Übersetzungsgerechtes Schreiben. Hierbei gilt es, schon bei der Erstellung der Technischen Dokumentation eine spätere Übersetzung zu berücksichtigen. (Dies betrifft u.a. die Konsistenz des Ausgangstextes und bestimmte Vorgaben bei der Gestaltung des Layouts.)
  • V wie Variablen. Textvariablen sollten keinesfalls Text enthalten, der gebeugt werden muss. Lieber nur Produktbezeichnungen wie „XY 2000“ verwenden.
  • W wie Wörter. Die Anzahl der Wörter in einem Text wird zur Berechnung von Preis und Lieferzeit herangezogen. Eine Angabe von Seitenzahlen ist für diese Auskünfte nicht ausreichend.
  • X wie X-te Änderung. Wird der Ausgangstext ständig geändert, während er sich schon in Übersetzung befindet, verursacht das unnötigen Aufwand und führt zu Lieferverzögerungen.
  • Y wie Yard. Nur ein Beispiel für eine ggf. zu lokalisierende Einheit. Bei einer Übersetzung sollte auch geprüft werden, ob z. B. das Maßsystem an das Zielland angepasst werden muss.
  • Z wie Zirkeldefinition. Siehe „C“ und „T“ 😉
    Eine Zirkeldefinition ist eine Definition, die den Begriff, der definiert werden soll, in der Erklärung verwendet.

 Zugehörige Blogartikel:

A: Abkürzungen (AT)
B: Beglaubigungen
C, T, H: CAT, Translation Memory, 100%
D, Z: Definitionen
E, M: Terminologiebildung
F: Füllwörter
G: Gedankenstrich
I: Inkonsistenz
J, U: Zielgruppe, übersetzungsgerechtes Schreiben
K, L: Korrekturlesen
N: Nominalisierung
Q: Qualitätssicherung
S: Scheinanglizismus
V: Variablen
W: Wörter

[vom Translation Team] [Photo by Susen Blaha]

Terminologie, aber wie?

Teil 1: Arten der Terminologiebildung

Nicht jedes Unternehmen ist so gut aufgestellt und verfügt über einen hauseigenen Terminologen. (Lesen Sie hierzu auch über Bonny & die Toasterfabrik.)
Meist müssen Technische Redakteure sich mit den deutschen Fachtermini beschäftigen.

Unsere Toaster-Serie zeigte Ihnen bereits, was Sie bei der Erstellung von Terminologielisten berücksichtigen sollten, was wichtig für Translation-Memory-Systeme ist und dass es einen Verantwortlichen geben sollte.

Aber wie kann eine neue Benennung für ein neues Produkt entstehen? Und was zeichnet eine gute Benennung aus? Der ersten Frage möchten wir heute einmal nachgehen.

Wenn neue Produkte entwickelt oder neue Geräte erfunden werden, müssen diese mit einer Benennung versehen werden. Die Sprachwissenschaft hält verschiedene Methoden der Benennungsbildung bereit. Wir geben ein paar (teils vereinfachte) Beispiele. Und um etwas Sonne in die Vorweihnachtszeit zu bringen, sind hauptsächlich Beispiele aus dem Bereich der Solarenergie dabei 🙂

Bei der Komposition entsteht eine neue Benennung durch Aneinanderreihung von zwei oder mehr Morphemen*: Solar|anlage.

Die Derivation verbindet ein Morphem mit unselbständigen Wortbestandteilen, die z. B. voran- (Präfix) oder nachgestellt (Suffix) sein können: Ver|schatt|ung

Bei der Konversion wird ein Wortstamm oder ein flektiertes (gebeugtes) Wort ohne Veränderung seiner Form in eine andere Wortart überführt:
schweißen (Verb) -> Schweißen (Substantiv)

Als Terminologisierung bzw. Umterminologisierung werden die Fälle bezeichnet, in denen sich die Fachsprache einer Benennung bedient, die in der Gemeinsprache bereits existiert. Die Benennung wird dabei mit einer spezifischen Bedeutung versehen:
Modul, Zelle
Anmerkung: Häufiges Problem hierbei sind auftretende Mehrdeutigkeiten. Bei unseren beiden Beispielen kommt es im Bereich der Solarenergie nicht zu Mehrdeutigkeiten, da die beiden Wörter sehr häufig als Komposition mit „Solar“ verwendet werden (Solarmodul, Solarzelle).

Die Entlehnung findet sprachübergreifend statt. Dabei wird Sprachmaterial aus einer Herkunfts- in die Zielsprache übernommen. Es entstehen Lehnwörter:
Due Diligence, Peakleistung

Bei der Kürzung werden Teile eines bestehenden, meist komplexen Wortes weggelassen. Bei einer Form der Kürzung, der Abkürzung, werden die Anfangsbuchstaben der einzelnen Morpheme, aus denen sich die Benennung zusammensetzt, einzeln geschrieben und ausgesprochen: PV-Anlage

Als Urschöpfung bezeichnet man Benennungen, die nicht aus bereits bestehenden Morphemen hergeleitet sind, sondern lautlich neu gebildet werden. Bekannte allgemeinsprachliche Beispiele sind: simsen, sitt

Dieser sprachwissenschaftlichen Hintergründe ist man sich bei der Terminiologiefindung zwar nicht immer bewusst, sie können – aktiv in den Prozess der Terminologiebildung mit einbezogen – aber dennoch einen Anstoß zu möglichen neuen Benennungen liefern.

Im nächsten Teil dieser Serie zur Terminologiebildung erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl einer guten Benennung für ein neues Produkt ankommt. Nicht verpassen!

* Morphem = kleinste bedeutungstragende Spracheinheit

Vom Translation Team

Top 3 der beliebtesten Fehler in deutschen Bedienungsanleitungen

Tipps für deutsche TexteMan kann eine Menge falsch machen beim Erstellen einer Bedienungsanleitung:
zu wenig Information, zu kompliziert, zu unübersichtlich, nicht rechtssicher.

Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler sind aber auch nicht zu vernachlässigen. Technische Redakteure sollten beim Erstellen von Technischer Dokumentation auch den Aspekt im Auge behalten, dass Anleitungen meist auch Marketinginstrumente sind. Flüchtigkeitsfehler trüben schnell den Gesamteindruck.

Aber wir haben eine gute Nachricht: Diese Fehler sind leicht vermeidbar!

Beim Lektorat deutscher Texte (und während der Qualitätssicherung von Übersetzungen aus dem Deutschen) fällt uns immer wieder auf, dass bestimmte Fehler sich größerer Beliebtheit erfreuen als andere. Zeit also für eine Top 3 und Tipps, wie Sie diese Fehler vermeiden können!

Platz 3: ß vs. ss

Die Rechtschreibreform von 1996 hat die Regelung hierzu stark vereinfacht. Wer sich also unsicher ist, ob ein Wort mit ss oder ß geschrieben wird, kann sich an den folgenden Regeln orientieren:

  • Nach einem langen Vokal oder einem Diphthong (Doppellaut, z. B. „au“) schreibt man ß: Maße, außen, Straße
  • Nach einem kurzen Vokal schreibt man ss: Masse, dass

Bei der Verwendung von Großbuchstaben wird das ß durch SS ersetzt, da es nach den amtlichen Rechtschreibregeln keinen Großbuchstaben für das ß gibt: AUSSEN, STRASSE

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, bei denen häufig Unsicherheit herrscht.

Tipps für RechtschreibungUnser Tipp:
Ein Blick in den Duden, Wahrig oder ein anderes Standardwerk zur deutschen Rechtschreibung wird Klarheit schaffen. Meist gibt es ein eigenes Kapitel zu diesem Thema. Wörter, bei denen Sie immer wieder grübeln müssen, können Sie auch auf einen Zettel schreiben und an den Monitor kleben. Noch besser: Malen Sie kleine Bildchen dazu, denn je emotionaler Sie sich mit einem Fehler beschäftigen, desto besser können Sie ihn sich merken.

Platz 2: Anführungszeichen

Das komplette Regelwerk in Sachen Anführungszeichen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, daher möchten wir nur auf ein paar wichtige Punkte bei der Verwendung hinweisen.

  • Im Deutschen gibt es öffnende und schließende Anführungszeichen. Die öffnenden Anführungszeichen stehen immer unten, die schließenden immer oben.
  • Es gibt gerade und typografische Anführungszeichen („Gänsefüßchen“). Beide sind gängig, sollten aber innerhalb eines Textes nicht gemischt werden.

Anführungszeichen werden u. a. in folgenden Fällen verwendet:

  • Wörtlich wiedergegebene Äußerungen/Zitate
  • Hervorhebung von Wörtern oder Wortgruppen, über die man eine Aussage machen will
  • Ironische Hervorhebungen

Tipps für RechtschreibungUnser Tipp:
Achten Sie vor allem beim Zusammenkopieren aus verschiedenen Quellen darauf, dass nicht verschiedene Arten von Anführungszeichen verwendet werden. Fügen Sie z. B. den kopierten Text ohne Formatierung in den bestehenden ein.

 

 

 

Platz 1: Bindestrich vs. Gedankenstrich

Sehr häufig werden der Bindestrich und der Gedankenstrich verwechselt. Doch diese beiden Zeichen sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie werden auch unterschiedlich verwendet:

Der Bindestrich “ ist ein sogenannter Viertelgeviertstrich. Er wird u. a. verwendet, um

  • mehrteilige Wortgruppen zu verbinden – insbesondere, wenn die Zusammensetzung unübersichtlich ist (Mehrzweck-Küchenmaschine),
  • einzelne Bestandteile in Zusammensetzungen hervorzuheben,
  • Wörter am Zeilenende zu trennen
  • bei der Zusammenfassung mehrerer Wörter Wortteile einzusparen (Groß- und Kleinschreibung)

Der Gedankenstrich dagegen „“ ist ein Halbgeviertstrich und damit doppelt so lang wie der Bindestrich. Er wird u. a. verwendet, um

  • eine deutliche Sprech- oder Denkpause zu kennzeichnen,
  • Appositionen, Einschübe oder Nachträge deutlich vom übrigen Text abzugrenzen
  • eine Auslassung (Ellipse) zu kennzeichnen.

In dieser Funktion können an seiner Stelle häufig auch Kommas oder Klammern stehen.

Weiterhin wird der Halbgeviertstrich auch als Bis-Strich und als Streckenstrich verwendet:

Mo.–Fr. 8:00–17:00 Uhr
Kiel – Hamburg – Koblenz

Tipps für RechtschreibungUnser Tipp:
Suchen Sie nach Texterstellung im Dokument nach der Kombination Leerschritt/Bindestrich/Leerschritt. Die Fundstellen können Sie dann über einem Klick auf „Ersetzen“ schnell in einen Gedankenstrich ändern (im Feld „Ersetzen“ die Tastenkombination ALT+0150 drücken und die Leerschritte davor und danach nicht vergessen).

 

 

Haben Sie schon bei sich selbst beobachtet, dass Sie immer wieder die gleichen Fehler machen? Lassen Sie uns wissen, was Ihre Top 3 sind! (Vielleicht haben wir ja noch einen guten Tipp für Sie.)

[von Susen Blaha und Sandra Bulla]

Hinweise zu neuen Blogartikeln und weitere spannende Meldungen aus dem Bereich Übersetzung und Technische Dokumentation finden Sie auf unserem Google+-Profil:
https://plus.google.com/+CONDOKTranslationsHamburg

 

Terminologie – Wer hat den Hut auf? [Westernausgabe]

Terminologie HutBad Segeberg, 9 Uhr, die Sonne brennt.

Johnny
ist Chef der Konstruktion in der Toasterfabrik. Wie jeden ersten Montag im Monat war er auf dem Weg zur großen Besprechung. Eine konstruktive Änderung wurde vorgenommen, sodass der Toastvorgang nicht mehr mit dem Einrasthebel, sondern mit einer eigenen Drucktaste abgebrochen wird. Zu oft schon war der Koch im Saloon mit dem Ärmel am Gerät hängen geblieben und hatte dabei den umgefallenen Toaster zu nah ans angrenzende Spülbecken gebracht.

Clint begrüßte ihn gut gelaunt am Versammlungstisch. Der Technische Redakteur hatte den Saloon gebucht, weil er zwecks Usability Testing sowieso noch mit dem Koch reden musste.

Johnny pinnte die Konstruktionszeichnungen an die staubige Bretterwand. „Hier befindet sich die neue Drucktaste. Abbruch über den Einrasthebel ist nicht länger nötig.“

„Einrasthebel?“, wunderte sich Henry aus der Vertriebsabteilung.

„Er meint die Absenktaste“, sagte Clint und nahm augenrollend einen Schluck Whiskey, um seine Nerven zu beruhigen. Wie oft hatte er dieses Gespräch schon geführt.

„Nun, es ist ein Hebel, der einrastet“, grummelte Johnny.

„Für die Benutzer ist es die Taste, die den Toast absenkt“, erwiderte Clint und nahm einen zweiten Schluck.

Henry, der inzwischen seine Füße auf dem Tisch geparkt hatte und Dollarbündel zählte, mischte sich ins Streitgespräch ein: „Ich war sowieso immer schon der Meinung, man sollte das Teil ‚der Vollstrecker‘ nennen.“

Fassungslose Gesichter starrten Henry an. Eine Steppenhexe wehte vorbei.

„Ja, überlegt doch mal! Sowas lässt sich bei Produktpräsentationen doch viel besser verkaufen … ‚der Vollstrecker schickt Ihren Toast in die feurig-heiße Hölle hinab bis er schön geröstet ist‘ … die Cowboys stehen auf Nervenkitzel … Noch nie was von Corporate Language gehört? Wir sollten das alles mal an den Zeitgeist anpassen.“

12 Uhr mittags: Showdown
Plötzlich flogen die Saloontüren geräuschvoll auf und eine im Gegenlicht kaum erkennbare Gestalt feuerte zwei Schüsse in die Luft. „Bestehende Terminologie wird nicht geändert!“, verkündete sie. Der goldene Sheriffstern leuchtete eindrucksvoll an ihrem Hut. Sie kam herüber, beugte sich runter zu Clint und vergewisserte sich: „‚Absenktaste‘ steht doch sicher schon in allen Dokumenten?“ Clint nickte eifrig.

„Und Sie sind?“, fragte Henry herausfordernd.

Bonny, Terminologin und die Lösung all Ihrer Probleme.“

Sie setzte sich und lächelte als sie sagte: „Und jetzt kümmern wir uns erst einmal um die neue Drucktaste.“

 

Epilog
Unsere Westernfiguren, die die einzelnen Abteilungen repräsentieren, sind natürlich überzeichnet. Aber sie illustrieren, dass es verschiedene Sichtweisen und Motivationen geben kann, wie etwas benannt werden sollte. Konsistente Terminologie ist wichtig, um die firmeneigene Kommunikation zu vereinfachen. Alle relevanten Abteilungen sollten sich einbringen dürfen, aber am Ende muss jemand stehen, der den (Sheriff-)Hut auf hat. Diese Person muss sich darum kümmern, dass Benennungen funktional und konsistent gebildet sind. Sie muss dafür sorgen, dass (neue) Termini früh durchdacht und festgelegt werden. Terminologie-Änderungen verursachen Aufwand. Ganz besonders gilt das, wenn auch noch Übersetzungen in mehrere Sprachen eine Rolle spielen (auch für jede Sprache muss eine geeignete Person den Hut auf haben). Änderungen am Ausgangstext verhindern 100 %-Treffer aus Translation Memorys (TM). Änderungen an fremdsprachiger Terminologie müssten im gesamten TM-Bestand gemacht werden; bei modularen Updates alter Handbücher käme es zu Terminologie-Chaos.

Wer grundlos nachträglich ändert oder ständig ändert, schießt sich ins eigene Bein.

[Anmerkung der Autorin: Es hat sich gezeigt, dass Besprechungen ohne Whiskey und Feuerwaffen produktiver ausfallen.]

[von Sandra Bulla]

Adventskalender für Technische Redakteure 2014

Hamburg AdventskalenderEs ist wieder so weit: Wir öffnen ab heute jeden Tag ein Päckchen unseres Büro-Adventskalenders.

Damit auch Sie sich freuen können, öffnen wir in unserem Blog auch jeden Tag ein Türchen. Als Technischer Redakteur muss man vieles beachten. Wir rufen daher ein paar Checklistenpunkte (in weihnachtlichem Gewand) in Erinnerung. Kekse bereithalten und viel Spaß!

(Und wer noch mal nachlesen möchte, was es mit dem roten und blauen Weihnachtsmann auf sich hat, kann das hier: Adventskalender 2012)

 

24. Dezember
Check: Sicherheitshinweise

Haben alle Sicherheitshinweise die richtige Klassifizierung?

Sicherheitshinweise

 

23. Dezember
Check:
Grafische Prägnanz

Alle unnötigen Details, die vom Wesentlichen ablenken, entfernt?

Prägnanz

Weiterlesen

Viel Übersetzung, wenig Zeit ⌛

Übersetzung_schnell

Sitzt Ihnen auch schon der nächste Liefertermin für die neue Benutzerdokumentation im Nacken?

Oft werden wir mit Großprojekten konfrontiert, die in kurzer Zeit übersetzt werden müssen. Leider wird oft nicht genug Zeit eingeplant für die Erstellung der Technischen Dokumentation und ihre anschließende Übersetzung. Man sollte hier jedoch keine Kompromisse machen: eine gute und rechtssichere Dokumentation und Übersetzung brauchen einen angemessenen Bearbeitungszeitraum.

In manchen Fällen lassen sich solch ungeliebte Projekte aber nicht vermeiden, z. B. wenn dem Kunden hohe Konventionalstrafen drohen oder es gilt, sehr schnell Ausschreibungsunterlagen zu übersetzen. In diesem Fall müssen mehrere Übersetzer parallel am gleichen Auftrag arbeiten. Aber was bedeutet das eigentlich? Je ungünstiger das Verhältnis der Textmenge zur Bearbeitungszeit ist, desto größer werden die Gefahren.

Wo lauern die Gefahren?

  • Inkonsistente Terminologie
  • Abweichungen im Schreibstil
  • Zu geringe Pufferzeiten für Korrekturlesen, Qualitätsverlust
  • Einsatz der Übersetzer erfolgt nach Verfügbarkeit und nicht nach bestmöglicher Eignung
  • Informationsverlust durch zu viele Beteiligte

Oft wird unterschätzt, wie lange ein Übersetzer für einen Text benötigt. Dabei ist man bei einem Großprojekt schnell bei 10 Übersetzern statt der vermuteten 3 bis 4.

Wie schnell ist ein Übersetzer?

Wieviel Wörter kann ein Übersetzer pro Tag schaffen? Bei einer Recherche werden Sie Angaben um die 2.000 Wörter/Tag finden, aber Folgendes muss auch berücksichtigt werden:

  • Nicht immer 100%ige Kapazität möglich durch bestehende Aufträge anderer Kunden
  • Die vertretbare Menge variiert mit dem Schwierigkeitsgrad der Texte
  • Ausfall durch Krankheit oder feste Termine
  • Zeit für Korrekturlesen und Vor-/Nachbearbeitung (z. B. Layout) kommt noch dazu

Um solch kritische Großprojekte in eigentlich zu kurzer Zeit zu bewältigen, sind besondere Fähigkeiten gefragt.

Wie macht man das Beste draus?

Der Übersetzungsdienstleister sollte in der Lage sein,

  • ein Übersetzerteam richtig zusammenzustellen (Fachgebiet, Zuverlässigkeit) und zu organisieren (sinnvolle Textaufteilung, Auslastung),
  • Informationen an alle zentral zu verteilen,
  • Kommunikation zwischen allen Beteiligten sicherzustellen und
  • Inkonsistenzen durch ein zentrales Korrekturlesen zu minimieren.

Dies kann technologisch unterstützt werden, ist aber in erster Linie von dem Organisationstalent, der Erfahrung und der Kommunikationsfähigkeit des Projektmanagers abhängig.

Was können Sie als Kunde tun?

  • Möglichst früh den Textumfang in Erfahrung bringen und mitteilen
  • Vorhandenes Referenzmaterial/Terminologie-Liste zusammenstellen
  • Endtermin kommunizieren und enge Terminpläne nicht aus Angst noch weiter verkürzen
  • Textumfang minimieren (vorher sichten, was gar nicht übersetzt werden muss)
  • Bei sukzessiver Lieferung vorher Prioritäten feststellen
  • Ausgangsdokumente in einem bearbeitbarem Format bereitstellen
  • Ansprechpartner für Rückfragen abstellen

Aber denken Sie bitte immer zweimal darüber nach, ob man nicht doch etwas mehr Zeit investieren kann, denn: Eine Übersetzung, an der mehrere Übersetzer mit Termindruck im Nacken arbeiten mussten, wird bezüglich ihrer Qualität nie mit einer „normalen“ Übersetzung mithalten können. Nicht einmal beim Preis, da der Managementaufwand für das Team und der Korrekturaufwand für eine „Massenübersetzung“ erheblich steigen.
Wir empfehlen, darauf zu achten, dass der Übersetzungsdienstleister nicht nur schöne Versprechungen macht, sondern auch über die Gefahren aufklärt, ein Konzept vorstellt und Sie gut berät.

[von Sandra Bulla]